Das Wall Street Journal stellt seine Inhalte online bekanntlich nur gegen Gebühr zur Verfügung. Warum?
In seinem (kostenlos verfügbaren!) Wallstreet Journal Editorial “How to Sink a Newspaper” bricht Mr. Walter E. Hussman Jr., Herausgeber der Arkansas Democrat-Gazette, eine Lanze für kostenpflichtige Online-Zeitungen. Und er spart nicht mit spannenden Zahlen für den US-Markt:
Die Zahlen zeigen, dass Print und Online immer noch zwei paar völlig unterschiedlich große Schuhe sind.
Mr. Husman fährt fort:
Nachrichten werden von Zeitungen für hohe einstellige Milliarden-Beträge produziert. Dann werden Sie nicht nur im Print verwendet, sondern auch kostenlos von Online-Zeitungen und Aggregatoren wie Google oder Yahoo ins Netz gestellt.
Damit sinken zunehmend die Print-Auflagen. Die Produktionskosten können nicht mehr gedeckt werden, die Werbeumsätze gehen zurück.
Die Kosten müssen also sinken, Mitarbeiter werden entlassen. Und bald lassen Qualität, Breite und Tiefe der Inhalte nach. So bleiben weitere Zeitungsleser und Werbeumsätze aus.
Also - sagt Mr. Hussman - wird es höchste Zeit für Zeitungen, die tatsächlichen Kosten und Konsequenzen freier Nachrichten zu überdenken.
Aber die Lage ist nicht hoffnungslos. Und vielleicht kommt es ja doch noch so, wie Dave Winer sagt, und Zeitungen werden einfach große Blogs ;)
Dieser Artikel wurde eingetragen am 8. Mai 2007 um 00.20 und ist abgelegt unter warum, statistik, medien. Du kannst mit dem RSS Feed die Kommentare zu diesem Artikel verfolgen. Kommentare und Pings sind geschlossen.
markus kommentierte am 8. Mai 2007 um 05.13 Zitieren
huch, das ist ja eine teufelsspirale, da muss wohl ein kartell her. fight the internet!
Steffen Büffel kommentierte am 8. Mai 2007 um 08.36 Zitieren
Ich glaube, wenn sich die Zeitungen in den nächsten Jahren weiter Gesundschrumpfen werden wird das eintreten, was bei jeder Diät- und Fastenzeit eintritt: Der Kopf wird klarer, der Ballast fällt ab und man kann irgendwann wieder viel klarer denken.
Okay, das is insofern euphemistisch dahingesagt, weil das auch bedeutet, dass Arbeitsplätze im klassischen Print verloren gehen, dafür aber neue im “neuen Print” geschaffen werden.
Lasst das alte Schiff Print mit würde und profit versinken und macht euch mit Schnellboten auf zu neuen Ufern möchte man den Verlegern mathaphorisch zurufen. Es ist Zeit, die Printzentriertheit aufzugeben ohne Print komplett fallen zu lassen.
Das Nachrichtengeschäft wird auch in Zukunft hochprofitabel sein, aber eben nicht mehr primär mit Printtiteln.
Joachim Graf kommentierte am 8. Mai 2007 um 10.12 Zitieren
Die Rolle der Zeitung verändert sich - wie sie sich schon bei dem Aufkommen des TVs verändert hat. Der Wert der Nachrichten wird sinken, der Wert der Relativierung wird steigen.
Aus “Content ist King” wird “Context ist King”.
Und das geht nur über ein Pay-System. By the way: Das so etwas geht, beweisen wir mit iBusiness.de seit einem Jahrzehnt im Internet….
marcel weiss kommentierte am 8. Mai 2007 um 11.50 Zitieren
Ein einfacher Grund, warum Paid Content im Netz nicht funktioniert: Man schließt sich damit selbst von der (Online-)Diskussion aus.
Und das wird sich nicht ändern.
georg kommentierte am 8. Mai 2007 um 19.12 Zitieren
Hier gibt es in diesem Zusammenhang noch eine interessante Studie …
niels | zeineku.de kommentierte am 15. Mai 2007 um 23.14 Zitieren
“# Print-Zeitungen setzen pro Abonnent und Jahr zwischen 500 Dollar und 900 Dollar um.
# Online-Zeitungen setzen pro Unique Visitor und Jahr zwischen 5 Dollar und 10 Dollar um.”
Der Vergleich ist ja nur begrenzt sinnvoll.
Ich glaube, daß Bezahlangebote dann erfolgreich sein können, wenn es einen echten Mehrwert gibt.
Einfach das in ein PDF packen, was sonst morgen vor die Tür geliefert wird, reicht nicht.