M Monochrom, X2 und 50mm f2.0 ASPH Summicron – Leica 2012

Leica hat heute im Rahmen der Veranstaltung „Das Wesentliche“ in Berlin ein paar neue Produkte vorgestellt. Erwartungsgemäß bietet die Leica Camera AG nun ein M Modell mit Monochrom Sensor, eine X2, ein 50mm f2.0 ASPH Summicron Objektiv und eine kaum erwähnenswerte V-Lux 40 an.
leica M monochrom

Die neue Leica M Monochrom ist leider nicht so geworden, wie ich sie mir vorgestellt hätte. Gehäuse und Bedienkonzept wie bei der M9, allerdings mit vielversprechendem neuen monochrom CCD-Sensor. Im Menü stecken Programme für unterschiedliche schwarz-weiß Tonungen (Sepia, Kalt- oder Selenton). Der Sensor wie bei der M9 mit 18 Megapixel, aber dafür mit beachtlichen 10.000 ISO und „unvergleichlicher Schärfe“, die der schwarz-weiß Sensor möglich macht. Und schwarzes Chrom Finish. Dazu gibt es neben Adobe Lightroom neue Add Ons, nämlich Silver Efex Pro 2 und „exklusive Schwarz-Weiß-Abzüge“ auf Baryt-Fotopapier bei WhiteWall. Der Preis für den Body dürfte so bei 6.000 Euro liegen.

Die neue X2 ist auch nicht so, wie ich sie mir gewünscht hätte. 16,1 Megapixel APS-C CMOS Sensor, Elmarit 1:2.8/24mm ASPH Objektiv (entsprechend 35mm auf Vollformat). Alles in allem eine X1, nur mit mehr Megapixel.

Das Objektiv fährt immer noch mit der Nase aus dem Gehäuse. Das ist hässlich und geht eigentlich gar nicht. Mehr Mut zu einer minimalistischen X2 Variante wäre mir lieber gewesen.

Also doch ein halbherziges Wettrennen mit der Konkurrenz aus Asien, anstatt konsequent auf Qualitätssteigerungen und einfaches Bedienkonzept zu setzen?

Bin insgesamt ein wenig enttäuscht. Das Summicron ist nett (wie immer „ein neuer Meilenstein in der Geschichte des Optik-Designs„), aber wenn man ein Summilux 50 schon hat …. Die X2 ist ein vorsichtiges Upgrade. Eine M Monochrom Kamera ist saucool, aber wenn nur der Sensor angefasst wird, dann auch kein Meilenstein. Ich werde mir nichts von alldem kaufen und bleibe bis auf weiteres zufriedener Kunde mit M9 und M6.

Leica M9 mit Voigtländer Heliar 15 mm

Nach dem Sucher wurde nun endlich auch das gute Voigtländer Objektiv für die Leica geliefert. Habe beides gleich mal an die M9 gesteckt.

Leica M9 Voigtlaender 15mm

Die Linse ist nicht nur preiswert, sondern auch extrem kompakt und scheint zudem sehr hochwertig gebaut. Der Objektivdeckel hakelt ein wenig beim auf- und absetzen, und die Tasche fehlt im Lieferumfang. Aber wen stört das.

Das Voigtländer Heliar 15 mm ASPH arbeitet verzeichnungsfrei und hochauflösend. Ein optischer Traum. Der Weitwinkel ist extrem, man muss schon höllisch aufpassen, dass keine Finger oder Ärmelränder mit aufs Bild kommen. Die Tiefenschärfe ist atemberaubend, definitiv schnappschuss-tauglich.

Die hintere Schnittweite des Objektivs ist bauartbedingt sehr kurz, das Licht trifft extrem schräg auf die Bildebene. Für analogen Film ist das kein Problem, aber für den Sensor der M9 schon. Es kommt zu Farbveränderungen an den Rändern. Und so sind die ersten Testaufnahmen zwar knackscharf und vielversprechend, aber die violetten Verfärbungen auch deutlich zu erkennen.

voigtlaender-heliar

Werde am Wochenende in Istanbul ein wenig mit dem 15 mm Voigtländer auf der M9 experimentieren, es bleibt immer die Konvertierung in Schwarz-Weiß ….

Saul Leiter in Hamburg

Gestern war ich in der Saul Leiter Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen. Leiter hat wirklich schöne Fotos gemacht. In der Retrospektive sind Schwarzweiß- und Farbbilder, Modefotografien, aber auch Malerei und Skizzen zu sehen.

saul leiter ausstellung hamburg deichtorhallen

„A photographer’s gift to the viewer is sometimes beauty in the overlooked ordinary.“

Leiter ließ sich von der Fotografie begeistern, als er 1947 eine Ausstellung von Henri Cartier-Bresson besuchte. Er kaufte sich eine 35 mm Leica und begann in den Straßen von New York zu fotografieren. Er knipste schwarz-weiß und ab 1948 kam der Farbfilm dazu.

In Leiters Aufnahmen fließen Street-, Life-, Mode- und Architekturfotografie zusammen. Motive sind Schaufenster, Passanten, Autos, Schilder und immer wieder Regenschirme – gerne durch Fenster, mit Reflexionen oder anderen erklärungsbedürftigen Perspektiven festgehalten. Die Formen wirken oft abstrakt und unreal, die Kompositionen wie gemalt.

saul leiter
Der Katalog zur Ausstellung war leider vergriffen. „New York in Color“ habe ich dafür gleich mitgenommen. Stand eh schon auf meinem Wunschzettel und ich kann das Buch nun sehr empfehlen. In dem wunderbaren Bildband sind neben Saul Leiter u.a. mit dabei: Joel Meyerowitz, Helen Lewitt, William Klein, Alex Webb, Elliott Erwitt, Eli Reed, Bruce Davidson, Martin Parr, Gary Winogrand, Tomas Hoepker, Burt Glinn und Alex Majoli. Ein Who is Who der Street Fotografen für New York also.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. April 2012. Hingehen und anschauen.

Leicatime

Mit jeden 100 ms weniger Ladezeit erhöht sich der Umsatz von Amazon um 1%. Und nach vier Sekunden Wartezeit springen 40% der Besucher frustriert wieder ab. Klare Botschaften für Shop-Betreiber.

Nun, es gibt einen Online-Store da draußen, den das wenig zu kümmern scheint: Leicatime. Leicatime ist der Shop für edle Leica-Lederwaren von Luigi Crescenzi in Rom. Die Ladezeit von Leicatime liegt bei schlappen 10 Sekunden.

leicatime homepage

Leicatime ist der Gegenentwurf zu Don’t make me think. Alle Usability-Grundsätze werden konsequent missachtet. Leicatime ist niemals selbsterklärend.

So bin ich gerade kläglich gescheitert, als ich den „Deluxe strap, 115/120+ in aged Browne“ (letztes Jahr für meine M6 und meine M9 gekauft) auf die Schnelle mal wieder finden wollte, um ihn hier zu empfehlen. Hoffnungslos. Selbst Bookmarks sind schwierig, es leben die Frames. Luigi hat zwar eine Google Suche auf seiner Home eingebaut, aber die geht gleich ins WWW zum Wettbewerb.

Frames verschwinden, kommen zurück, neue Fenster gehen auf, Fotos poppen hoch, die Navigation ist plötzlich nicht mehr da. Ein extremes Surf-Erlebnis und kaum Support. Der ein oder andere gibt da schnell mal auf.

Leicatime war dabei viele Jahre ordentlich aufgeräumt, ich denke mal so richtig chaotisch wurde es im Jahr 2005. Wer ordern will, sollte viel Zeit einplanen. Craigs List? Ein Kinderspiel dagegen.

Leicatime ist also wunderbar unmodern. Und Luigi Crescenzi und seine Familie kommen mit der Produktion von Ledertaschen, Gurten und Sonderanfertigungen aus feinstem italienischen Leder kaum nach. Luigi genießt hohes Ansehen in der Leica-Gemeinde.

Mit einfachsten Mitteln, einem Shopify und einem coolen Blog nebenan könnte die Seite selbstredend innerhalb von ein paar Wochen State of the Art gebaut werden. Ich hoffe dennoch sehr, dass das nicht passiert.