Getürkt

Im Jahr 1769 entwickelte der österreichische Mechaniker Wolfgang von Kempelen einen Schachroboter, den sogenannten „Schachtürken„. Der „Schachtürke“ gewann u.a. Partien gegen Friedrich den Großen und gegen Napoleon.

Nun, der Roboter war getürkt, in der Maschine saß ein menschlicher Schachmeister.

the mechanical turk

Heute gibt es komplexe Software-Anwendungen, die große Datenmengen verarbeiten. Aber es gibt auch immer noch Arbeiten, die Menschen besser erledigen können – etwa Muster in Bildern identifizieren.

Für derartige Arbeiten hat Amazon Ende letzten Jahres den Mechanical Turk Marktplatz (mTurk) entwickelt.

Auf dem Marktplatz werden HITs ausgeschrieben – Human Intelligence Tasks. Arbeitskräfte können auf der Basis eines vorgegebenen Lohnes HITs annehmen und erledigen und sich auf der Plattform eine Reputation erarbeiten.

MTurk bietet dafür eine Mensch-Maschine-Schnittstelle an, um „künstliche künstliche Intelligenz“ von Menschen direkt in Computer-Anwendungen einzubinden:

To the application, the transaction looks very much like any remote procedure call: the application sends the request, and the service returns the results. Behind the scenes, a network of humans fuels this artificial artificial intelligence by coming to the web site, searching for and completing tasks, and receiving payment for their work.

Die Arbeiten sind schlecht bezahlt. Für die meisten eher Zeitvertreib als Einkommenserzielung.

Nach einem anfänglichen Hype werden die mTurk Dienstleister wählerischer:

But looking at trends in mTurk, it looks like Turkers may simply be becoming a picky bunch, with fewer and fewer new Turkers be born because all the hype about mTurk is basically dead. The current ones have learned to stop complaining at pricing and to simply not do tasks they don’t feel like doing.

„I make $1.45 a week and I love it“, titelte Slate Ende Juli.

Die Autorin hat sich angemeldet als mechanischer Türke. Sie kategorisierte Schuhe und andere Kleidungsstücke.

Die Inhalte eines Podcasts zu vertexten, bringt 19 Cents pro Minute, ein Blog-Eintrag wird mit 50 Cents honoriert.

Amazon verdient jeweils eine kleine Provision. Einen direkten Kontakt zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer gibt es nicht.

Suchmaschinen-Marketing Firmen nutzen mturk.com, um relevante Keywords für ihre Kunden zu finden. Oder sie lassen Website-Verzeichnisse nach optimalen Listings absurfen.

Auch der Scobleizer holt sich Hilfe von mTurk, um XML-Files nachzubearbeiten.

Es gibt sogar einen Vorschlag, die Kommentare in Guardian’s comment ist free über mTurk prüfen zu lassen, um die Durchlaufzeiten und die Qualität zu erhöhen. Ein Outsourcing der Moderationsfunktion quasi.

Das bekannteste Produkt der Mechanical Turks ist The Sheep Market.

the sheep market

Ein Design-Student hat im Rahmen seiner Forschungsarbeit über mTurk vor ein paar Monaten 2 Cents geboten für die Zeichnung eines Schafs. Insgesamt 10.000 sollten es werden. Der Auftrag wurde am Markt gut angenommen.

40 Tage und 40 Nächte kamen Schafe rein mit einer Geschwindigkeit von 11 Schafen pro Stunde. 7.600 Mechanical Turks haben teilgenommen.

Maximal fünf Schafe durfte jeder malen. Im Schnitt wurden 105 Sekunden pro Schaf benötigt. Entspricht 10 Cents für fast 9 Minuten Arbeit.

Der Student verkauft die Schafe nun weiter – für 20 Dollar das Stück.

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