Venture Capital – Trends?

Venture Capital (VC) wird als stark risikobehaftetes, privates Kapital i.d.R in neu gegründete technologieorientierte Unternehmen investiert. Ein Gewinn des Kapitalgebers entsteht mit dem Verkauf seiner Anteile bei gestiegenem Unternehmenswert.

Venture Capital Funds und Business Angels

Ein Venture Capital Fund investiert in ein Portfolio privater Unternehmen. Die Fund Management Gesellschaft erhält als Vergütung eine Prozentanteil des investierten Kapitals und eine zusätzliche Erfolgsbeteiligung, den „Carry“ auf die Kapitalvermehrung.

In der Regel erreichen nur 20 Prozent der Firmen, in die investiert wurde, den Break Even. Fünf bis zehn Prozent der Firmen „machen den Fund“, d.h. sie überkompensieren die Verluste der anderen 95 Prozent (Zahlen für die USA).

Da auch Funds über 100 oder 500 Mio. Dollar von wenigen Leuten gemanaged werden, muss die Anzahl der Firmen, in die von der Venture Capital Gesellschaft investiert wird, im Sinne der Koordinierbarket überschaubar bleiben. Zudem werden tendenziell größere Beträge investiert. Startups mit risikoreichen, aber groß angedachten Plänen werden häufig bevorzugt.

Business Angels investieren kein gesammeltes, sondern eigenes Geld – in einer frühen Startup-Phase. Sie können mehr Zeit in einzelne Firmen investieren, tragen dabei ein hohes persönliches Risiko und sind im Startup-Invest weniger diversifiziert. Erfahrung, persönliches Involvement und Professionalität von Business Angels dürften stark variieren. Angels sind i.d.R. nicht kapitalkräftig genug, um nachgelagerte Finanzierungsrunden mit zu machen.

Erfolg zieht Erfolg an. Startup-Unternehmer wollen mit VCs oder Business Angels zusammenarbeiten, die große Hits hatten (wie Sequoia Capital mit Google).

Read/Write Web hat für den amerikanischen Markt eine interessante Übersicht größerer VCs und ihrer Internet-Portfolios erstellt. Informationen zum Traffic und dem jeweiligen (VC)-Investment für einen Teil der Startups sind mit angegeben.

Private Equity Renditen

Klar, im Venture Capital Geschäft locken hohe Renditen. Aus einem Investment von vielleicht 15 bis 30 Mio. Dollar wie bei Youtube können nach kurzer Zeit 500 Mio. oder mehr werden.

Aber nicht jedes Startup fliegt wie Youtube. Die durchschnittlichen Verzinsungen im privaten Venture Geschäft sind nicht so toll, wie vielleicht mancher denken würde. Aber immer noch besser als der Gesamtmarkt.

us private equity performance

Beim Venture Capital geht es auch um Differenzierung großer Portfolios von Banken oder Versicherungen. Das Geld wird breit gestreut, einige Prozent werden in hochriskanten, langfristigen Investments angelegt.

Investitionszyklen

In den letzten 40 Jahren hat sich das Venture Geschäft in Zyklen bewegt: Hohe Renditen brachten frisches Kapital. Der Wettbewerb stieg und die Renditen fielen. Das Kapital wurde knapp, die Renditen stiegen wieder und es ging von vorne los.

Möglicherweise wird dieses zyklische Investitionsverhalten mit veränderten Rahmenbedingungen abgelöst.

Funding Modelle

Über VentureBeat gibt es eine Präsentation von Benchmark Capital, die den Wandel der Finanzierungsmodelle beschreibt. Die Kosten für den Aufbau einer Internet-Plattform sind in den letzten Jahren stark gesunken, bis auf wenige 100.000 Dollar. Neue Programmierumgebungen und gesunkene Kosten für Hardware und Connectivity haben diese Entwicklung gestützt.

Unternehmen starten mit Beta-Versionen und bauen entsprechend dem Nutzerfeedback ihre Dienste aus. Einer anfänglich starken Nutzung können Phasen der Stagnation folgen und eine starke Nutzung ist nicht immer gleichzusetzen mit einer Stärkung des Produktes.

funding model

Nach Benchmark Capital ist der ideale Zeitpunkt für den Einstieg im „Free Range“ Modell am Anfang der Adaptionskurve. An diesem Punkt steigt der Wert sehr stark und das Risiko nimmt ab.

Sieht also so aus, als könnte man sich die Finanzierungsrunde sparen, wenn man nur lange genug wartet und das Geschäft funktioniert. Die Herausforderung für den VC oder Business Angel ist, den Punkt vor der Adaption zu finden.

Im traditionellen Funding Modell dagegen wurde davon ausgegangen, dass sich Risiko und Bewertung in Stufen entwickeln, etwa Seed, R&D, Launch, Expansion. Wobei jede Stufe auch eine Finanzierungsrunde repräsentierte. Für Internet-Startups ist dieses Modell wohl nicht mehr zeitgemäß.

Ein Bubble-Geschäft?

Das Venture Geschäft ist ein Bubble-Geschäft. Es werden Unternehmen aufgebaut für vermeintlich stark wachsende Märkte. Viel Geld ist falsch allokiert. Verdankt die Branche ihre Existenz der Fähigkeit, spekulative Blasen aufzudecken und auszuschöpfen?

Aber es gibt doch Unterschiede gegenüber der Investitions-Welle der New Economy. Die investierten Beträge für Internet-Startups sind heute sehr viel niedriger – ein Bruchteil von damals. Große Finanzierungsrunden sind die Ausnahme.

Und im Gegensatz zu damals wagen nur wenige Firmen einen IPO. So stehen die Verluste am Ende des Tages doch meist nur bei den Venture Funds und ihren Investoren in den Büchern, nicht bei chancensuchenden Aktionären.

Europa

Im Vergleich mit den USA haben es Startups in Europa schwerer, eine Finanzierung und eine Infrastruktur zu finden. Und alles andere auch:

As a general matter, people don’t like working for startups, companies don’t like buying from startups, building owners don’t like renting to startups, banks don’t like lending to startups, press don’t like talking with startups, integrators don’t like partnering with startups, lawyers don’t like representing startups, and investors don’t like funding startups. In Europe, each of these is more than a little true.

Die Technologie-Investoren in Europa sind seit dem Zusammenbruch der New Economy deutlich risikoaversiver geworden. Das Funding Volumen ist von 2000 bis 2005 um 90 Prozent gesunken. So konnte in den letzten Jahre günstig investiert werden. Die Gewinner stehen noch nicht fest, aber europäische VCs scheinen nicht so stark durch Hits getrieben zu sein wie ihre US-amerikanischen Kollegen (mehr „3-4x Deals“).

Trend zu kleineren Invests

Paul Graham, Partner beim early stage Investor Y Combinator sieht einen Trend zu kleineren Invests: Da weniger Geld für den Aufbau benötigt wird, bleiben auch die Freiheiten der Startups größer. Der Druck, schnell zu wachsen ist geringer. Flickr und Del.icio.us sind beispielhaft für organisches Wachstum.

Interessant: Digg wurde finanziert mit 3 Mio. Dollar von Greylock Partners, während der größte Wettbewerber – Reddit – nur 88.000 Dollar benötigt hat und mit drei oder vier Mitarbeitern auskommt.

Zusammenfassend:

  • Die langfristigen Durchschnittsrenditen für ausbalancierte VC-Funds liegen zumindest in den USA über den Renditen der großen Leitindizes.
  • Die gesunkenen Kosten und schnelleren Rollouts beim Aufbau von Startups haben zu neuen Funding-Modellen geführt: Die Bedeutung von Venture Capital nimmt für Internet-Startups tendenziell ab.
  • Der Trend geht zu kleineren Invests, die vielleicht von Business Angels strukturbedingt besser koordiniert und begleitet werden können, als von großen Venture Funds.
  • Abnehmen könnte damit auch die Bedeutung der Investitionszyklen für Venture Capital.
  • Der europäische Markt für Venture Capital ist auf Investoren- und Gründerseite nicht so weit entwickelt wie der amerikanische.

Die Produktentwicklungspolitik z.B. einer Google wird verständlicher:

Warum nicht lieber 10x 2 Mio. Dollar selbst investieren, und mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent einen Highflyer entwickeln, als 1 mal 100 Millionen für einen erfolgreichen Highflyer am Markt zahlen?