Eine kleine, feine Wein-Community

20 Liter Wein werden pro Kopf und Jahr in Deutschland getrunken. Der deutsche Weinmarkt hat ein Volumen von 4 Mrd. Euro (hier mehr dazu …).

Außer Online-Shops gibt es allerdings wenig im deutschsprachigen Netz zum Thema Wein. Ein paar einschlägige Foren vielleicht.

Nicht mal einen spezialisierten Blog habe ich gefunden, der auch mal Empfehlungen oder Kritiken zu internationalen Weinen abgibt, wie es Vinography oder Jamie Goode etwa machen.

Wenn ich programmieren könnte und etwas Zeit übrig hätte, dann würde ich mich vielleicht an eine deutschsprachige Wein-Community heranwagen ….

Vor ein paar Monaten habe ich mich bei Cork’d registriert.

Die Idee von Cork’d ist einfach: Nutzer stellen Weine ein und schreiben Bewertungen. So können alle anderen von Empfehlungen profitieren.

corkd

Cork’d ist schön und einfach gestaltet. Der Funktionsumfang beschränkt sich auf:

  • Ein Weinjournal (Bewertung verkosteter Weine) mit Tagging-Möglichkeit,
  • einen Weinkeller (eingelagerte Weine),
  • eine Shopping-Liste,
  • Buddies (neue Einträge der Buddies sind sichtbar)
  • sowie Empfehlungen für und von anderen Nutzern.

Der Shopping-Partner von Cork’d ist Winezap, eine Produktsuche für Weine. Zudem gibt es ein paar Sponsoren auf der Site, u.a. Sub-Zero, ein Hersteller von Weinklimaschränken, das JPG Magazine und den California Wine Club.

Cork’d wurde von Tundro entwickelt, das zu gleichen Teilen Dan C. und Dan B. gehört. Die beiden haben Cork’d nebenbei aufgebaut.

Technisch basiert die Anwendung auf Ruby on Rails, Frontend auf XHTML und CSS. Entwickelt wurde auf dem Mac mit Subversion und Textmate. Sogar ein paar Microformate sind im Einsatz.

In einem aktuellen Interview mit Vitamin erzählt Dan C. zum Geschäftsmodell:

So we launched, and in about a month’s time we’ve had 6.500 members sign up and about 5.000 wines were added by users, which is great. We started with just 1.200 wines from Wine.com, actually, an affiliate thing with them just to see the database but now that users are adding wines there’s tons added each day, and we have a lot of members, so I think that, y’know, the revenue model, there’s a couple of different ways we could go. Right now there’s a lot of vineyards that are contacting us, and wine sites and wine companies and we’ve been on a lot of phone calls with wine people, which is sort of weird because we weren’t in the wine world before this, we like to drink wine but all of a sudden ‘wine people’ are taking notice and saying ‘Wow, this is a cool way of discovering wine’ so there’s some advertising opportunities there.

Because it’s so targeted I think that’s why it’s attractive to all these wine people, so there’s that, we could create a ‘Cork’d Deluxe’, where signing up, having a fee that offers extra features beyond what the free Cork’d does, that’s a possibility. (…)

Falls Cork’d fliegt, wäre das vielleicht auch eine Bedrohung für die Hugh Johnsons oder José Peñíns dieser Welt.

Der Weinexperte Alder Yarrow von Vinography macht gleich eine ganze Liste auf, warum Wein-Communities scheitern werden:

  • Die Datenbank der Weine muss komplett sein, damit das Angebot für den Weinliebhaber sinnvoll ist.
  • Die Qualität von nutzergenerierten Inhalten für Weinkategorisierung und -bewertung steht nicht immer im Verhältnis zu den hohen Ansprüchen von Weinliebhabern („1995 Chateauneuf-du-Pape – Tasting note: Loved it!“).
  • Es fehlt an Anreizen für die regelmäßige Nutzung. Es wird wenige Heavy-User geben und viele Wenig-Nutzer.
  • Überhaupt gibt es zu wenige Weinliebhaber, die ihren Weinkeller online pflegen werden. Und alle die das machen, wurden in den USA in den letzten Jahren schon von CellarTracker eingesammelt (… die definitiv mal ein Redesign brauchen).

Das kümmert mich alles wenig. Ich brauche keine vollständige Datenbasis und auch keine anspruchsvollen Bewertungen.

Viel interessanter erscheint es, Empfehlungen mit Freunden zu teilen und auch mal in den Favoriten der anderen zu stöbern. Wenn ich weiß, dass der ein oder andere einen ähnlichen Geschmack hat – perfekt. Ist für mich mehr wert, als blumige Geschmacksskizzen von Leuten, die ich nicht kenne.

Und vor allem könnte ich mir endlich mal systematisch Weine merken, die gut geschmeckt haben. Die setze ich dann auf eine Einkaufsliste.

Das kann Cork’d alles leisten. Und die Nutzung der Software ist einfach und macht Spaß. So soll es sein.

Der größte Haken an Cork’d ist natürlich, dass das Angebot aus den USA kommt. Die eingestellten Weine und Preise stimmen nicht mit dem Angebot in Deutschland überein. Und der Weinkeller kann natürlich auch nicht über Shopping-Links aufgefüllt werden.

Wer baut ein lokalisiertes Cork’d?

get corkd